Starnberg: "Weit entfernt von schulischer Inklusion" Aktuelle Meldung vom 26.08.2018

 

 

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/starnberg-weit-entfernt-von-schulischer-inklusion-1.4105082

 

 

Stellungnahme zum Artikel 

 

 

Wir kritisieren nicht die Stadt Starnberg direkt, sondern dass wir zu wenig Unterstützung erhalten und nicht gehört werden, damit unsere Kinder inklusiv eine Regelschule am Wohnort besuchen können, was für nichtbehinderte Kinder  ganz normal ist. 

 

 

1. Es ist richtig, dass die Stadt Starnberg nicht über die Einrichtung einer Grundschule mit dem Profil Inklusion entscheiden kann, da das Schulamt für die Grundschulen und Mittelschulen zuständig ist und das Kultusministerium für die Realschulen und die Gymnasien (wenn ich richtig informiert wurde).

 

2. Die Stadt Starnberg kann nur politisch Einfluss nehmen und entsprechend Druck ausüben und die Selektierung durch das Gesundheitsamt Starnberg zur Schuleingangsuntersuchung und durch das Jugendamt Starnberg eindämmen und an einer Entwicklung der notwendigen Gesetze mitwirken.

 

3. Ohne die Mitarbeit von betroffenen Eltern wird es KEINE schulische inklusive Entwicklung geben, weil Nichtbehinderte kein ausreichendes Wissen darüber haben, da das Thema sehr komplex ist und bisher keine ausreichenden Informationen vom Freistaat zur Verfügung gestellt werden. Es wird nur gesagt "ALLE SCHULEN SOLLEN INKLUSION MACHEN!"
Aber wie das gehen soll ohne Ausbildung und ohne ausreichende finanzielle Mittel, bzw. der Verlagerung der finanziellen Mittel von den Förderschulen (also vom Sozialministerium zum Kultusministerium) zu den Regelschulen, wird nicht erklärt.

 

4. Das spezielle Themen wie "schulische Inklusion" an Fachgremien ausgelagert werden, ist mir nicht bekannt. Inklusion beginnt im Kindergarten und wird dann in der Schule zu einem wichtigen Faktor. Wenn dort nicht mit Inklusion begonnen wird, dann macht Inklusion keinen Sinn. Kinder müssen bereits im Kindergarten und in der Schule voneinander lernen können. Doch solange alles an der falschen Verteilung von finanziellen Mitteln scheitert, werden wir die Eltern weiter informieren und sie über ihre Rechte aufklären (UN-Behindertenrechts-konvention).

 

5. Inklusionsbeirat - Hier eine Satzung aus Donau-Ries:

http://www.lra-donau-ries.de/Dox.aspx?docid=5c9c7704-4ba6-4597-aa4a-8eca3b866d93&orgid=d7b06571-e139-465e-8c1b-98df31b54516


Der Inklusionsbeirat hat die Aufgabe, die Maßnahmen des Inklusionsplans umzusetzen. Er berät die Verwaltung und erarbeitet Vorschläge für die Ergänzung und Fortschreibung, er verfasst fachliche Stellungnahmen, die die Verwaltung an die jeweils zuständigen Ausschüsse weiterleitet. Er vertritt dabei die Interessen aller in der Region lebenden Menschen mit Behinderungen und ohne Behinderung.

 

 

(2) Mit Verweis auf den Bayerischen Aktionsplan zur Umsetzung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung und die Vereinbarung der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung (UN-BRK) als verbindliche, völkerrechtliche Grundlage, verpflichtet sich der Beirat dem Zweck, nach Artikel 1 UN-BRK: "Den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderung zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern. Zu den Menschen mit Behinderung zählen Menschen, die langfristige, körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können." 

 

(2) Aufgaben des Beirates sind insbesondere:

· Mitwirkung bei der Erstellung eines Aktionsplanes zur Umsetzung der UN-BRK im Landkreis Donau-Ries und Begleitung der Umsetzung.

· Interessenswahrnehmung für Menschen mit Behinderung, Förderung des Erfahrungsaustausches und der Zusammenarbeit der verschiedenen Träger der Behindertenarbeit im Landkreis Donau-Ries im Sinne einer stärkeren Selbstbestimmung und Teilhabe der Menschen mit Behinderung am Leben in der Gesellschaft.

· Beratung der Kreisverwaltung, des Kreistages und auch öffentlicher Träger in allen Fragen, die Menschen mit Behinderung betreffen, durch Anregungen, Anfragen und Empfehlungen.

 

Inhalte können sein:

a) die Inklusion von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen (Bildung, Arbeit, Freizeit, Sport, Kultur, Mobilität und Wohnen), b) die barrierefreie Gestaltung, Ausstattung und Pflege öffentlicher Gebäude, Anlagen und Verkehrswege sowie des öffentlichen Verkehrs, c) die Mitwirkung bei der Überprüfung von öffentlichen Veranstaltungen auf Barrierefreiheit, d) Vorschlag neuer Projekte...

 

 

Hier steht nicht, dass das Thema "schulische Inklusion" ausgeschlossen werden kann.
Das müßte in der Satzung vom Inklusionsbeirat Starnberg ja zu entnehmen sein.

 

Die Aussage: "Bereits jetzt würden an allen starnberger Schulen Inklusionskinder aufgenommen" ist so nicht korrekt. Es gibt überhaupt keine Inklusionskinder. Es gibt nur Schüler mit "anerkannten sonderpädagogischen Förderbedarf" und Schüler mit "anerkannten hohem sonderpädagogischen Förderbedarf". Schüler mit anerkannten hohem sonderpädagogischen Förderbedarf erhalten z.B. Nachteilsausgleiche und Förderpläne oder andere inklusive Maßnahmen vom Fachdienst MSD-Autismus oder MSD-K (Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung), denn dafür muß ein aktuelles klinisches Gutachten nach ICD-10 vorliegen. Nur dann darf der Fachdienst überhaupt zur Schule kommen und das behinderte Kind unterstützen (laut einer internen Arbeitsanweisung des MSD).

 

Es werden "Nichtbehinderte" Kinder an allen starnberger Schulen unterrichtet, die einen sogenannten "anerkannten sonderpädagogischen Förderbedarf" haben. Das sind nichtbehinderte Kinder die z.B.: eine Verhaltensauffälligkeit haben (durch Vernachlässigung z.B.) oder eine Lese-Rechtschreib-Schwäche oder eine Rechenschwäche. In Bayern gelten manchmal sogar hochbegabte Kinder als "behindert", da diese im System nicht rechtzeitig erkannt werden und dann oft falsche Diagnosen verpasst bekommen. Doch das sind alles keine echten Behinderungen, aber natürlich müssen auch diese Kinder eine entsprechende Förderung und Unterstüzung erhalten um im System der Gleichheit bestehen zu können. Inklusion bedeutet, dass auch Kinder mit einer Schwerbehinderung von mindestens 50% die Regelgrundschule wohnortnah besuchen dürfen und zusammen mit den Nachbarskindern lernen und aufwachsen dürfen und nicht zu weit entfernten Sonderschulen gefahren werden müssen, wenn Eltern Inklusion am Wohnort wünschen. Diese Schüler mit einer Schwerbehinderung haben auch sehr oft eine Schulbegleitung und bereits einen Schwerbehindertenausweis vom ZBFS (Zentrum Bayern Familie und Soziales). 

 

Wir bemängeln ganz konkret, das in der STADT STARNBERG noch an KEINER der DREI Schulhäuser INKLUSIV ERFOLGREICH unterrichtet wird, in Form von Kooperationsklassen (das ist zwar auch noch nicht Inklusion, aber besser als nix) oder mit dem Schulprofil Inklusion. Denn "schulische Inklusion" ist derzeit nur mit einer fest angestellten Sonderpädagogin möglich, da Regelschullehrer keine sonderpädagogische Ausbildung haben.

 

Derzeit betreut keine einzige Schulbegleitung ein schwerbehindertes Kind an der Grundschule in der Stadt Starnberg. Das wäre auch garnicht möglich und würde vermutlich nach kurzer Zeit scheitern, da die Grundschule in Starnberg nicht weiß, wie Inklusion umgesetzt wird und wie Nachteilsausgleiche erarbeitet werden. Von wem sollen diese Nachteilsausgleiche dann umgesetzt werden ? Wie sollen Förderpläne erarbeitet werden, wie werden Wochenpläne oder Planungsmappen erstellt? Derzeit gibt es nur eine "Heilpädagogin" an den Grundschulen für zu wenige Stunden, die aber keine sonderpädagogische Ausbildung hat und der normale MSD kommt pro Kind ca. 2 - 3 Mal im Jahr für einige Stunden an der Schule vorbei und ist dann für die Ausbildung der Klassenlehrerin zuständig.

Das zeigt sich auch daran, dass unser Sohn die Grundschule Söcking in der 1. Klasse nach 8 Monaten verlassen mußte, weil es dort kein Fachwissen zum Thema Inklusion gibt. Die Schulleitung sagte mir direkt ins Gesicht, dass sie keine Inklusion machen. Wenn ich Inklusion möchte, solle ich unseren Sohn an einer Grundschule mit dem Profil Inklusion anmelden und das haben wir dann ja auch gemacht. Der Junge der für den freien Schulplatz unseres Sohnes in Söcking dann in die Klasse kam, bekam dann zwar schnell eine Schulbegleitung (oft sind dies nur Hilfskräfte ohne Ausbildung die Inklusion auch nicht leisten können und auch garnicht dürfen), muß nun aber die Grundschule Söcking auch wieder verlassen und wechselt auf eine Grundschule mit dem Schulprofil Inklusion die weiter entfernt ist. Die inklusive Beschulung ist bei diesem Jungen in der GS-Söcking ebenfalls gescheitert, sonst müßte auch dieses Kind die Grundschule nicht verlassen. Das kommt daher, das die GS-Söcking keine Inklusion macht, sondern Integration und das ist etwas ganz anderes.

 

Für ein schwerbehindertes Kind, dass jedoch einen hohen sonderpädagogischen Förderbedarf hat, wird ECHTE Inklusion benötigt und keine Scheininklusion, sonst scheitert es und geht auf Kosten aller und die behinderten Kinder verlassen die Regelschulen nach kurzer Zeit wieder und landen dann oft auch auf Förderschulen, weil es zu wenige Schulen mit dem Schulprofil Inklusion gibt. 

 

Das es an den Schulen in Starnberg "ausreichendes" Fachpersonal“ für die Umsetzung von Inklusion geben soll, ist eine nette Umschreibung. Gibt es aber nicht. Frau Chain kann mir ja das "Fachpersonal" für Inklusion an den starnberger Grundschulen gerne eindeutig benennen. Vielleicht wurden diese ja ganz neu eingestellt. Das würde uns sehr freuen.

 

Susann Dohm

 

 

 

 

 

 

 

 

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