SCHULJAHR 2018/2019 IM LANDKREIS STARNBERG
 

 

 

Unser Kommentar dazu:

 

Da stimme ich Ihnen zu Herr oder Frau Schneider. Aus diesem Grunde haben wir Eltern vor drei Jahren diese Elterninitiative und Selbsthilfegruppe „Inklusionsbewegung Starnberg“ gegründet, damit Inklusion von Anfang an sichergestellt werden kann und somit behinderte Menschen eine echte Teilhabe innerhalb der Gesellschaft erhalten, was ein Menschenrecht ist.  Wir sind Mitglied der Behindertenarbeitsgruppe ARGE in Starnberg und auf der Internetseite vom Landratsamt Starnberg verlinkt.

Von 17 staatlichen Grundschulen im Landkreis Starnberg, hat also derzeit 1 Grundschule, die Grundschule Tutzing, das Profil Inklusion entwickelt. Eine fast grandiose Leistung für ein so reiches Bayern nach fast 10 Jahren seit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention. Da kann sich das Kultusministerium sehr stolz auf die Schultern klopfen, dass sie es so lange erfolgreich geschafft haben, die Entwicklung schulischer Inklusion zu verhindern und die Behindertenstrukturen so lange aufrechzuerhalten, damit diese Kinder auf dem 1. Arbeitsmarkt später keine Arbeit finden werden und weiter in den Werkstätten verweilen müssen, weil leider selten ein richtiger Abschluss an der Förderschule erreicht werden kann und eine Rückführung von Förderschulen zur Regelschule nur sehr selten und oft nur mit gerichtlichen Auseinandersetzungen (die viel Geld kosten) möglich sind.

Die Grundschule Tutzing nimmt aber nur behinderte Kinder aus dem eigenen Wohnsprengel auf und auch die Kooperationsklassen (was noch keine echte Inklusion ist, weil in dieser Klasse zu viele Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf sind und es eher eine Förderschulklasse ist) sind abhängig vom Wohnort. Das wird vom Schulamt Starnberg den Eltern oft nicht gesagt. Aus diesem Grunde ziehen im Landkreis Starnberg die Familien mit behinderten Kindern auch extra in diese Sprengel, damit ihre behinderten Kinder eine Chance auf eine inklusive Beschulung haben und nicht auf eine Förderschule abgewiesen werden können (mit Unterstützung vom Gesundheitsamt Starnberg und dem Jugendamt Starnberg). Allerdings sind diese Kooperationsklassen oft zeitlich begrenzt und können auch wieder aufgelöst werden, was bei dem Schulprofil Inklusion nicht möglich ist. Aber selbst hier gibt es noch keine „echte“ Inklusion, da auch hier Aufnahmebedingungen einzelner behinderter Schüler Voraussetzung für die Aufnahme ist. Nur wenn das behinderte Kind in das bestehende Schulprofil passt, wird es aufgenommen und das ist Integration. Inklusion würde bedeuten, das behinderte Kind wird an der Sprengelgrundschule angemeldet und die Schule kümmert sich um alles: Schulbegleitung/schulische Assistenzkraft, Ausstattung, Schülerbeförderung, Ausbildung der Lehrer, Förderung, differenzierter Unterricht, Anschlusslösung zum Übertritt, das behinderte Kind ist glücklich, die Mitschüler sind glücklich, die Eltern sind zufrieden und die Schule auch.

Derzeit ist jedoch keine inklusive Beschulung an einer Regelgrundschule ohne Schulprofil Inklusion oder ohne Kooperationsklasse möglich, weil nur dann eine Sonderpädagogin an der Schule bzw. in der Kooperationsklasse ist, denn Regelschullehrer haben keine sonderpädagogische Ausbildung und können daher behinderte Kinder nicht entsprechend zieldifferenziert unterrichten mit Nachteilsausgleichen, Förderplänen und z.B. der Wochenplanarbeit). Regelschullehrer können diese behinderten Kinder oft nicht richtig einschätzen und begleiten, da es sich um eine Vielzahl von verschiedenen Behinderungsformen handelt und es sich oft auch um „nichtsichtbare“ Behinderungen handeln kann, die auf dem ersten Blick nicht eindeutig zu erkennen sind und um klinische Facharztberichte und klinische Gutachten entsprechend zu lesen und zu verstehen. Die Sonderpädagogen haben jedoch oft keine Gleichstellung innerhalb der Regelschule, was auch sehr ungünstig ist. In jeder Inklusionssklasse werden zwei Lehrer benötigt, einen Regelschullehrer und einen Sonderpädagogen. Ansonsten ist derzeit kein inklusiver Unterricht möglich. 

Da Frau Hirschnagl-Pöllmann leider auch keine sonderpädagogische Ausbildung hat, kann sie das natürlich nicht wissen. Deshalb stimmt es nicht ganz, was Frau Hirschnagl-Pöllmann hier schreibt. Was sie meint ist die Form der „Integration“ für Kinder mit festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf. Das sind Kinder ohne Behinderungen die aber auch Anspruch auf Förderungen haben wie z.B. Kinder mit eine Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Diabetes. Das ist beides keine Schwerbehinderung ab mindestens GdB 50%. Kinder mit einer echten Schwerbehinderung haben jedoch eine GdB (Grad der Behinderung) von mindestens 50% und haben „erhöhten“ sonderpädagogischen Förderbedarf. Diese Kinder landen in der Stadt Starnberg in der Regel in der Förderschule (bereits zur Schuleingangsuntersuchung) oder sie dürfen kurz auf die Regelgrundschule, werden dann aber kurze Zeit später auf umliegende Grundschulen mit dem Schulprofil Inklusion zugewiesen, da Inklusion an einer Regelgrundschule ohne festangestellte Sonderpädagogin sehr oft scheitert, oder das Kind kommt dann auf einer Förderschule. Auch die Grundschule Söcking hat kein Schulprofil Inklusion und besagte Schüler müssen auch dort nach kurzer Zeit die GS-Söcking wieder verlassen und landen auf weit entfernte Profilschulen für Inklusion, was wieder Exklusion ist, da sie nicht am Wohnort zur Schule gehen können. 

Würde jede Grundschule im Landkreis Starnberg „echte“ behinderte Kinder aufnehmen und hier sind nicht die „nichtbehinderten“ Kinder gemeint die auch sonderpädagogischen Förderbedarf haben und richtige schulische Inklusion betreiben und keine Pseudoinklusion, dann wären in jeder Klasse einer Grundschule maximal 1 – 2 Kinder mit einer Schwerbehinderung und nicht wie jetzt 5 schwerbehinderte Kinder in einer Inklusionssklasse an einer Profilschule mit dem Schulprofil Inklusion. Was viel zu viel ist, da dort auch nur eine Klassenlehrerin in der Regel ca. 23 Schüler unterrichtet und es zusätzlich sehr schwer ist für diese Kinder überhaupt eine Inklusionsbegleitung beim Jugendamt Starnberg und beim Bezirk Oberbayern genehmigt zu bekommen und noch schwieriger ist es dann als Eltern, eine „ausgebildete“ Inklusionsbegleitung für das behinderte Kind zu finden, da den Inklusionsbegleitungen nur die tatsächlich geleisteten Stunden in der Schule bezahlt werden.

Es ist bei weiten nicht so. In der Stadt Starnberg gibt es bisher an keiner Grundschule und an keinem Gymnasium eine Kooperationsklasse und kein Schulprofil Inklusion.

Übersetzt heißt das: „schulische Inklusion existiert derzeit in der Stadt Starnberg“ nicht.

Das ist rechtswidrig, da ALLE Schulen Inklusion machen müssen und Bayern zu Deutschland gehört und Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet hat. Eltern haben die freie Wahl, ob ihr behindertes Kind eine Förderschule besuchen soll oder inklusiv an einer wohnortnahen Regelschule lernen soll.

In Artikel 24 der Behindertenrechtskonvention, 2009 vom Bundestag ratifiziert, heißt es wörtlich: „Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen (…)“.

Was bedeutet „integratives Bildungssystem auf allen Ebenen“ denn dann konkret?

Im Rechtsgutachten, der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern vom Völkerrechtler Prof. Dr. Claus Dieter Classen (Universität Greifswald), sagt Herr Prof. Classen:

„- Vorrang der inklusiven Beschulung
– Grundsätzlicher Rechtsanspruch auf inklusive Beschulung
– Erneuerung der Bildungs- und Lehrpläne im Sinne der inklusiven Beschulung
– entsprechende Veränderung der Studien- und Prüfungsordnungen der Lehrer
– Sicherstellung der qualifizierten Einbeziehung aller Kinder in den gemeinsamen Unterricht („zieldifferenter Unterricht“)
– Sicherstellung sonderpädagogischer Förderung unabhängig vom Förderort
– entsprechende personelle, räumliche und sächliche Ausstattung.“

Stattdessen gehen in Bayern dieses Jahr nun sogar 0,2 % mehr Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf eine Förderschule und vermutlich sind auf Förderschulen auch Schüler die gar keine echte Behinderung ab GdB 50 % haben ähnlich wie im Fall Nenad“ Aktenzeichen (AZ 5 O 182/16),.

In Bayern fallen bereits Kinder mit einer motorischen Schwäche aus unserem tollen Schulsystem und sogar Kinder mit Hochbegabungen, weil Grundschullehrer auch keine Ausbildung im Bereich der Hochbegabung haben und diese Kinder oft nicht oder zu spät erkannt werden und an Grundschulen selten entsprechend gefördert werden. So werden diese Kinder oft falsch als ADHS eingestuft, dabei sind sie oft unterfordert und langweiligen sich im Gleichklang des Frontalunterrichts oder scheitern an der vorhandenen Lern- und Schulumgebung und die Förderschulplätze von 12.000 EUR pro Kind müssen ja weiterhin gefüllt werden. Stattdessen sollte die Differenz, da ein Grundschulkind 4.000 EUR pro Jahr kostet, von 8.000 EUR zu den Regelschulen transferiert werden, damit diese Schulen endlich ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung haben um "echte" Inklusion entwickeln zu können, die dann ALLEN Schülern zu Gute kommt, denn auch die "nichtbehinderten" Kinder profitieren von einer individuellen Beschulung.

Bisher müssen behinderte Grundschulkinder aus Starnberg zur einzigen erfahrenen Grundschule mit dem Schulprofil Inklusion flüchten, der GS-Münsing im Landkreis Bad Tölz, da es derzeit die einzige Profilschule hier weit und breit ist, die auch Gastschulkinder mit Behinderungen aus anderen Gemeinden aufnimmt, da Münsing zu wenige Kinder hat und auf die Gastschüler angewiesen sind um nicht geschlossen werden zu können, aufgrund einer zu geringen Schülerzahl.

"Inklusion ist ein Menschenrecht und der Schlüssel für individuelles Lernen. Es wird zu mehr Freiheit, mehr Menschlichkeit und mehr Demokratie an unseren Schulen führen und ermöglicht das soziale Lernen der Kinder! Inklusion ist ein Menschenrecht. Menschen ohne Behinderungen haben kein Recht Behinderte weiter auszuschließen".
Zitat: Susann Dohm

Inklusionsbewegung Starnberg

 

 

 

 

Copyright / Urheberrechte
Die aufgelisteten Zitate stammen aus unters chiedlichen Quellen - teilweise selbst verfaßt, teilweise von
anderen Autoren bzw. aus Internetseiten, zugesandten Mails etc. Leider sind die ursprünglichen Urheber,
Autoren oder eventuelle Rechte-Inhaber nicht immer nachvollziehbar. Bei der Auswahl bin ich bemüht,
keine geltenden Urheberrechte oder gültige Copyrights zu verletzen. Im Falle einer versehentlichen Rechtsverletzung, bitte ich um eine kurze Nachricht. Eine nicht vorhandene Quellenangabe hole ich dann sofort nach bzw. entferne das Zitat von der Webseite. 

 
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Inklusionsbewegung Starnberg