*** Wird gerade überarbeitet ***
 

Erfahrungsbericht der Familie Dohm zur inklusiven Beschulung in Bayern.
 

 

„Sie tun wirklich alles, alles außer Inklusion!“

Unsere Erfahrungen im bayerischen Schulsystem im Jahr 2019
 

Um es gleich vorweg zu nehmen, wir lehnen das Sonderschulsystem in Bayern ab und wünschen Teilhabe. Daher fordern wir unser freies Wahlrecht auf eine inklusive und wohnortnahe Beschulung unseres körperbehinderten Sohnes in Bayern ein.

 

 


Seit Deutschland die UN Resolution ratifiziert hat, dürfen die Eltern den Lernort wählen. Jedoch hat Bayern die Novellierung der bayerischen Schulgesetze nicht weiter entwickelt. Das hat dazu geführt, dass sich die inklusiven Lernbedingungen an den Regelschulen bis heute kaum verbessert haben und bisher nur integrativ unterrichtet wird. Wir wünschen eine Entwicklung von flächendeckender Inklusion an den Regelschulen. Wir fordern Inklusion von Anfang an!

 

Nach Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention vom 13.12.2006, welche am 26.03.2009 für Deutschland völkerrechtliche Gültigkeit erlangt hat, dürfen Menschen mit Behinderungen nicht weiter vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden. Vielmehr ist ihnen ein Zugang zu einem inklusiven und hochwertigen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen zu gewähren.

Die Behindertenrechtskonvention führt dadurch zu einem Anspruch auf Teilnahme am Unterricht
einer allgemeinen Schule. Die Zuweisung zu einer Förderschule / Sonderschule ist dadurch
fast immer rechtswidrig.

Teilhabe ist ein Menschenrecht und kein Sozialprojekt!
Das Festhalten an Förderschulen im Freistaat ist somit rechtswidrig, denn dies ist weiterhin
Selektion in Sonderwelten der Behinderteneinrichtungen, die eine Teilhabe unmöglich machen.

 

 

Einleitung
Es ist schwer mitzuerleben, wie sich der Gesundheitszustand unseres Sohnes in den letzten Jahren verschlechtert hat. An den Grundschulen in Bayern haben wir diesbezüglich selten viel Mitgefühl, Menschlichkeit, Verständnis oder Nächstenliebe erfahren dürfen. Dies kann ich mir nur so erklären, dass das bayerische Schulsystem zum einen komplett mit der Inklusion überfordert ist und die Lehrerinnen an den Schulen noch immer denken, Inklusion sei ein Sozialprojekt so wie es bei der Integration war. Sie scheinen den gesetzlichen Anspruch auf das Menschenrecht der Teilhabe nicht zu kennen. Auch die Mitarbeiter beim Jugendamt, bei den Gerichten, bei der Regierung scheinen nicht immer zu wissen, was das Menschenrecht auf Teilhabe heute schon rechtlich vorschreibt. Aus diesem Grunde wird es von den betroffenen Familien bisher kaum eingefordert, weil Bayern bisher die inklusiven Schulstrukturen in der Realität nicht entwickelt hat. Weder an den Schulen noch in den Gesetzen. Es steht zwar im Gesetz, dass die inklusive Schulentwicklung Aufgabe aller Schulen sei, aber es steht dort nicht wie es umgesetzt werden soll. Es gibt keine Konzepte, kein Personal, kein Geld und alles ist aufgebaut auf aussondernde Behindertenstrukturen.


 

Er hat überlebt und scheitert am bayerischen Schulsystem
Als unser jüngste Sohn wegen Komplikationen 12 Wochen zu früh geboren werden musste und er bei seiner Geburt ein sehr geringes Körpergewicht aufwies, war uns klar das seine Überlebenschancen nicht die Besten waren. Es gab starke Probleme bei der Atmung, da seine Lunge nicht vollständig ausgebildet war und es Probleme bei der Belüftung seiner Lungenbläschen gab. Durch die Infektion bekam er lange Zeit ein Antibiotikum, was sein Immunsystem stark beeinträchtigt hat. Unser Sohn ist ein echter Kämpfer und er zeigte uns wie er leben wollte. Er kämpfte sich ins Leben und scheitert später im bayerischen Bildungssystem.

Als unser Sohn in den Kindergarten ging, wurde er ständig krank. Durch seine Frühgeburt hatte er ein schwaches Immunsystem und seine Lunge war beeinträchtigt. Er konnte bereits als Kleinkind nur wenige Meter laufen. Wir mussten also immer mit einem Buggy unterwegs sein. Er konnte nicht wie andere Kinder lange laufen und Spaß haben. Die gesunden Kinder fanden das natürlich schnell langweilig und so war es sehr schwierig Freundschaften mit nichtbehinderten Kindern zu schließen.

Zur Einschulung machte ich mir allerdings große Sorgen, wie das im bayerischen Schulsystem ohne inklusive Schulstrukturen funktionieren soll. Bereits damals wusste ich, dass es echte Teilhabe an unseren Regelschulen noch nicht gibt.


 

Einschulung an der Grundschule Söcking
Unser Sohn wurde 2016 eingeschult. Er hatte leider kein Glück und kam in eine Klasse, wo die Gewalt unter einigen Jungs sehr stark ausgeprägt war. Da unser Sohn Gewalt ablehnte und er sehr sozial ist, aber körperlich sehr schwach, war er ein leichtes Mobbingopfer. Ständig wurden ihm seine Sachen wie Hausschuhe, Hefte, Mützen usw. von den Jungs versteckt oder waren plötzlich verschwunden. Er wurde gedemütigt, als Baby, als Behinderter beschimpft weil er nicht so lange laufen konnte, nicht klettern konnte, zu langsam war, kein Fußball spielen konnte, zu blass war, oft zu krank war, dass eine Grundschule es in wenigen Wochen schaffte, aus einem lebensfrohen und glücklichen Jungen, einen eingeschüchterten und ängstlichen Jungen zu machen. Es kam zu mehreren schweren körperlichen Übergriffen dieser Jungs, die von den Lehrern allerdings alle nicht gesehen wurden.

 

 

Das Scheitern an der Grundschule
Unser Sohn entwickelte sehr starke Schulängste. Nach einem schweren körperlichen Übergriff in der Schule mit einer Gehirnerschütterung, hatte unser Sohn dann solch große Ängste vor diesen Jungs, dass unser Sohn uns sagte, wenn er weiter in diese Schule gehen müsse, möchte er nicht mehr weiter leben. Wenn er am Abend zu Bett ging weinte er, weil er bereits Angst hatte vor dem nächsten Schultag. Wir nahmen das sehr ernst. Wir führten zahlreiche Gespräche mit der Schule, die leider keine Verbesserung der Umstände erzielen konnten. Oft müssen die Mobbingopfer die Schulen verlassen und die Täter dürfen bleiben. Die Schulleitung sagte uns „Wenn wir Inklusion wünschen, müssen wir einen Schulplatz suchen, an einer Grundschule mit dem Schulprofil Inklusion“. Im Jahr 2016 gab es aber noch keine Grundschule mit dem Schulprofil Inklusion im gesamten Landkreis Starnberg.

 

 

Die Suche nach einem inklusiven Schulplatz
Wir sprachen ca. 10 umliegende Grundschulen an (Regelschulen und Privatschulen), ob sie unseren Sohn aufnehmen könnten. Wir erhielten von allen Grundschulen eine Absage. Das Schulamt Starnberg konnte uns auch nicht helfen, oder wollte es nicht. So suchten wir weiter und fanden tatsächlich eine Grundschule mit dem Schulprofil Inklusion in Münsing im Landkreis Bad Tölz. Wir stellten uns dort vor und bekamen tatsächlich einen Schulplatz in der 1. Klasse. Nach kurzer Eingewöhnungszeit hatte unser Sohn seine Schulängste aus der alten Schule verloren und Freunde gefunden.
Er hatte großes Glück und kam in eine sehr soziale Schulklasse zu einer großartigen Lehrerin.
Die damalige Schulleitung lebte Inklusion und hatte großes Verständnis für die Bedürfnisse
behinderter Kinder.

 

 

Gesundheitliche Probleme
Doch im Laufe der Zeit verschlechtere sich der Gesundheitszustand unseres Sohnes immer weiter. Durch die vielen Infekte, die er sich in der Schule von anderen Mitschülern holte, erkrankte er häufig und fehlte oft im Unterricht. Er war so schwer krank, dass er ein halbes Jahr nicht zur Schule gehen konnte. Er bekam dann 5 Stunden pro Woche Hausunterricht von der Regierung genehmigt. Da aber keine freie Lehrerin zu Verfügung stand, buchten wir eine Online Fernschule für diese Zeit. Das Jugendamt Starnberg weigerte sich jedoch die Kosten dafür zu übernehmen. Als es unseren Sohn im Sommer besser ging, kehrte er zum 3. Schuljahr zurück an seine Grundschule.

 

 

Das Problem mit den Schulbegleitungen
Doch als unsere Schulbegleitung zum Halbjahr in den Mutterschutz wechselte, fand das Jugendamt Starnberg keine neue Schulbegleitung für unseren Sohn. Nun fragen sich alle Leser die sich mit Behinderungen auskennen vermutlich, weshalb die Eingliederungshilfe einer Schulbegleitung bei einem körperbehinderten Jungen vom Jugendamt bezahlt werden soll? Das liegt daran, dass die Mitarbeiter beim Jugendamt Starnberg nicht so gut ausgebildet sind. Da in Bayern die Eingliederungshilfe zwischen dem Jugendamt und dem Bezirk Oberbayern aufgeteilt ist. Durch einen Zuordnungsfehler beim Jugendamt wurde unser körperbehinderter Sohn zu den seelischen Behinderungen zugewiesen. Dies führte zu einer internen Streitigkeit zwischen dem Jugendamt Starnberg und dem Bezirk Oberbayern, die fast zwei Jahre lang andauerte.

Wir starteten damals unsere 1. Online Petition bei Change.org


Starnberg VERWEIGERT behinderten Menschen Teilhabeleistung als Schulbegleitung (Inklusion)

 

https://www.change.org/p/starnberg-verweigert-behinderten-menschen-teilhabeleistung-als-schulbegleitung-inklusion



 

Kein Schulbesuch ohne Schulbegleitung möglich
In dieser Zeit verschlechterte sich der körperliche Gesundheitszustand unseres Sohnes enorm.
Es kam zu vielen körperlichen Schwächeanfällen, die sich als eine hypotone Kreislaufregulationsstörung herausstellte, deren Ursache in der Frühgeburtlichkeit zu suchen ist.
Der Blutdruck unseres Sohnes fällt plötzlich stark ab und es kommt zu sogenannten gefährlichen Synkopen. In der Winterzeit, wenn unser Sohn durch seine Immunschwäche viele Infekte bekommt,
ist es am Schlimmsten. Die Ärzte sind aber guter Hoffnung, dass sich dies auswachsen könnte, wenn unser Sohn die Zeit bekommt die er dafür benötigt und nicht zu oft Infekte der oberen Atemwege bekommt. Allerdings könne unser Sohn derzeit nur mit einer ausgebildeten Schulbegleitung zur
Schule gehen, so die Ärzte.

 

Doch das Jugendamt Starnberg konnte keinen neuen Schulbegleiter für unseren Sohn finden.
Sie hatten bei 14 Trägern angefragt und von allen eine Absage erhalten. Nachdem das Jugendamt Starnberg auch nach 8 Monaten Suche keine neue Schulbegleitung für unseren Sohn finden konnten und dieser seit über einem halben Jahr nicht mehr zur Schule gehen konnte, verklagten wir das Jugendamt Starnberg das 1. Mal. Eine weitere Beschulung durch Hausunterricht lehnten wir ab, da der Arzt unseren Sohn für diese Zeit dann krankschreiben muss. Wenn unser Sohn jedoch dauerhaft krankgeschrieben ist (obwohl es sich hierbei ja in Wirklichkeit nicht um eine Krankheit an sich handelt, sondern um eine Behinderung) dann verlieren wir den Anspruch auf einen Regelschulbesuch.

Trotz eines ärztlichen Attestes, der den Besuch der Grundschule nur mit einer ausgebildeten Schulbegleitung erlaubt, bestand die neue Schulleitung weiterhin auf einen Schulbesuch unseres Sohnes auch ohne Schulbegleitung. Vermutlich weil die Behinderung, Diagnosen und klinischen Gutachten weiterhin angezweifelt wurden. So führt die Schulleitung in ihren Berichten und Stellungnahmen weiterhin an, dass unser Sohn eine "seelische Behinderung" im sozial-emotionalen Bereich hätte oder womöglich eine "Mehrfachbehinderung", dabei steht ganz klar im klinischen ärztlichen Bericht vom SPZ kbo München vom Leiter der Psychologie
, dass es sich bei den Beeinträchtigungen unseres Sohnes ausschließlich um Symptome auf der
"körperlichen Ebene" handeln". Was sogar mit den ICD-10 Schlüsseln belegt wurde:


Aber Lehrer dürfen sogar ärtzliche Gutachten anzweifeln, obwohl sie selbst über keine medizinische Ausbildung verfügen und hier liegt eines der größten Probleme, weshalb die Schulen in Bayern Inklusion nicht umsetzen können. Sie benötigen eine Art Inklusionsberater die über medizinische Kenntnisse verfügen.

 

Auch der Richter vom Sozialgericht München hat anhand der ihm vorliegenden über 500 Seiten, aus den Arztberichten, Gutachten, Schwerbehindertenausweis etc. eine Körperbehinderung bei unseren Sohn bestätigen können. Somit wurde unser Fall der Eingliederungshilfe endlich nach 2 Jahren dem Bezirk Oberbayern richtig zugeordnet.

 

Die Aussage der Schulleitung in Münsing, dass unser Sohn eine "seelische Behinderung" oder gar eine "Mehrfachbehinderung" hätte sind falsch. Er hat ausschließlich eine "Körperbehinderung" und eine "weit überdurchschnittliche sprachliche und intellektuelle Begabung". Und solche Kinder werden von der Schulleitung Münsing versucht auf
eine Förderschule abzuschulen.

 

 

Die erste Stellungnahme der Grundschule Münsing, welche für den Antrag einer Schulbegleitung beim Kostenträger erforderlich ist, wurde von einer Sonderpädagogin in Münsing ausgestellt, die für den Förderbereich Sozial-Emotional und Lernen zuständig und ausgebildet ist, aber nicht für den Förderbereich Körperbehinderung. Mir war damals nicht bewusst, wie wichtig eine Stellungnahme der Schule sein kann, wenn es um die Beantragung einer Schulbegleitung geht und welche Konsequenzen es haben kann, wenn diese Stellungnahme mit einer falschen Zuordnung der Beeinträchtigung versehen wird. So kam es zu diesem langjährigen Zuständigkeitsstreit der Eingliederungshilfe zwischen Grundschule Münsing, Jugendamt Starnberg und dem Bezirk Oberbayern.
 

 

 

Verhandlung vor dem Sozialgericht München
Am 03.07.2018 fand dann die Verhandlung am Sozialgericht München statt. Da war das 3. Schuljahr unseres Sohnes dann fast um. In der Verhandlung konnte der Zuständigkeitsstreit zwischen Jugendamt Starnberg und dem Bezirk Oberbayern dann endlich beigelegt werden. Nachdem der Bezirk Oberbayern unsere Anträge auf Eingliederungshilfe 3 Mal abgelehnt hatte, fühlten sie sich plötzlich vor Gericht für das neue Schuljahr 2018/19 zuständig. Da unser Sohn allerdings so häufig krank ist und nicht zur Schule gehen kann, verlangten wir vom Bezirk die Kostenübernahme für die Schulbegleitung im Krankheitsfall unseres Sohnes zu 100%, weil wir ansonsten keine Schulbegleitung für ihn finden würden, da die Refinanzierung zwischen Kostenträger und Leistungsträger in der Regel nur auf die tatsächlich geleisteten Stunden innerhalb der Schule abgedeckt sind, da die Schulbegleitungen in Bayern leider noch nicht als schulische Assistenzkräfte an den Schulen direkt angestellt werden.

 

 

Die Suche nach einer neuen Schulbegleitung
Da die Sommerferien kurz bevor standen, bekamen wir den Bescheid vom Bezirk Oberbayern leider nicht mehr rechtzeitig. Doch der Träger darf erst mit der Suche einer Schulbegleitung beginnen, wenn der Bescheid vom Kostenträger vorliegt. Wir schalteten also selbst Anzeigen und verteilten Aushänge. Dadurch war es uns möglich selbst eine Schulbegleitung zu finden. Da wir die Bewerbungs-gespräche bei uns daheim durchführten, erfuhren wir über die schlechten Arbeitsbedingungen der Schulbegleitungen, was uns direkt zu einer weiteren Petition veranlasste:

 

Schulbegleitung Bayern-wir fordern Kontinuität, faire Bezahlung statt prekärer Bedingungen

https://www.change.org/p/schulbegleitung-bayern-wir-fordern-kontinuit%C3%A4t-faire-bezahlung-statt-prek%C3%A4rer-bedingungen

 

Diese Gespräche waren für uns sehr wichtig, um zu verstehen wo wirklich die Schwierigkeiten sind. Über Probleme mit der Bezahlung und der Refinanzierung zwischen Kostenträger und Leistungsträger hätten wir sonst nie etwas erfahren. Daraufhin suchten wir dann auch einen Träger der faire Arbeitsverträge für die Schulbegleitungen anbieten kann und fanden diesen außerhalb des Landkreies Starnberg. Da der Bezirk Oberbayern jedoch die Einzelvereinbarung mit dem neuen Träger nicht zum Abschluss bringen konnte, mussten wir Eltern uns bereit erklären die Kosten zu übernehmen bis die Einzelvereinbarung zum Abschluss gebracht werden konnte.

 

 

Das 4. Schuljahr an der Grundschule Münsing
11. September 2018

Das 4. Schuljahr begann und unser Sohn freute sich endlich wieder an seine Grundschule zurückkehren zu können. In der Zwischenzeit hatte an der Grundschule Münsing mit dem Schulprofil Inklusion, ein Schulleiterwechsel stattgefunden. Es gab nicht einmal eine Abschiedsfeier für die vorherige Schulleitung. Da unser Sohn das 3. Schuljahr wegen fehlender Schulbegleitung nur an
22 Tagen besuchen konnte, haben wir diesen Schulleiterwechsel nicht so recht mitbekommen.

 

Die Grundschule Münsing hat seit Jahren das Schulprofil Inklusion. Wenn sie behaupten das
Schulprofil Inklusion in der gesamten Schulgemeinschaft auch zu leben, es dann aber nicht umsetzen, muß sich die Schule über Kritik nicht wundern. Was diese Schule bisher versucht ist Integration. Doch das ist etwas ganz anderes. 
Wir wurden aufgefordert für unseren Sohn einen inklusiven Schulplatz an einer Grundschule mit dem Schulprofil Inklusion zu suchen. Das haben wir getan. Wir wollten nicht unbedingt nach Münsing und die weite Fahrt auf uns nehmen. In Starnberg gibt es jedoch bis heute keine Grundschule mit dem Schulprofil Inklusion. 

Die Schulleitung der Grundschule Münsing zweifelte die Diagnosen und klinischen Gutachten an
und behauptet sogar, ich würde unseren Sohn nicht zur Schule lassen. Das ist falsch.
Es liegen ärztliche Atteste vor, die den Schulbesuch nur mit einer ausgebildeten Schulbegleitung erlauben, weil die Lehrer keine entsprechende Ausbildung haben und garnicht die Zeit haben,
um die Synkopen unseres Sohne immer frühzeitig erkennen zu können. S
o kam es zuvor zu einigen schweren körperlichen Zusammenbrüchen in der Schule. Davon weiß die neue Schulleitung anscheinend nichts, da sie zu der Zeit noch nicht Schulleiterin der Grundschule Münsing war. 

 

Zum Schulbeginn in Bayern mußten wir nun auch unsere jüngste Tochter an der Grundschule
Münsing anmelden, um den Transport zweier Grundschulkinder aus Starnberg
überhaupt organisieren zu können. Dafür gibt es im bayerischen Schulgesetz für Familien eine Geschwisterregelung per Gastschulantrag. Doch freiwillig wurde uns die Anmeldung unserer Tochter
in Münsing nicht gestattet. So klagten wir nun erneut vor dem Verwaltungsgericht in München
und bekamen recht. Allerdings versah die neue Schulleitung der Grundschule Münsing den Gastschulantrag für unsere Tochter mit einer „Einschränkung“.
Unsere Tochter darf die Grundschule Münsing nur solange mitbesuchen, wie unser körperbehinderter Sohn dort noch zur Schule geht. Unsere Tochter wird also dafür bestraft, dass sie einen behinderten Bruder hat und es in Starnberg keine Grundschule gibt, die bereits das Schulprofil Inklusion
entwickeln konnte. Dabei steht im Schulgesetz:


Die inklusive Schule ist ein Ziel der Schulentwicklung aller Schulen.
 

http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayEUG-30b

 

Kein pädagogisches Inklusionskonzept und keine Inklusionsklassen
an der Inklusionsgrundschule

Unser Sohn konnte also über ein halbes Jahr nicht zur Schule gehen und kehrte am 11.09.2018
an seine Schule zurück. Bereits in der ersten Woche musste unser Sohn in der Schule zahlreiche Leistungsnachweise schreiben, obwohl er an vielen Unterrichtsinhalten des letzten Halbjahres garnicht teilnehmen konnte und ohne das zuvor die verpassten Unterrichtsinhalte aus dem 2. Halbjahr der 3. Jahrgangsstufe in der Schule nachgeholt wurden.


http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayVSO-10
(2) 1Schriftliche Leistungsnachweise müssen sich aus dem unmittelbaren Unterrichtsablauf ergeben und in der Jahrgangsstufe 4 angekündigt werden. 2Der Termin eines schriftlichen Leistungsnachweises muss spätestens eine Woche vorher bekannt gegeben werden.

 

Stattdessen wurde nun von der Schule verlangt, dass wir dafür verantwortlich sind alle verpassten Unterrichtsinhalte zu Hause zusätzlich zum Lehrplan der 4. Klasse nachzuholen. Das schafft unser Sohn schon wegen seiner Körperbehinderung nicht. Da ich über keine Grundschulausbildung verfüge, wurde mit dem Fachdienst MSD Körperbehinderung am 16.10.2018 in der Schule vereinbart, dass uns die Lehrerhandbücher von der Schule zur Verfügung gestellt werden, damit wir wenigstens einen Teil der verpassten Unterrichtsinhalte daheim nachholen können. Denn diese Lehrerhandbücher können Eltern in der Regel nicht selbst käuflich erwerben (in Bayern geht das nicht, in anderen Bundesländern werden diese Lehrerhandbücher von den Verlagen sogar online den Eltern von behinderten Kindern zur Verfügung gestellt). Uns wurde die Aushändigung der Lehrerhandbücher zuerst sogar schriftlich zugesichert. Leider hat sich die Schulleitung der Grundschule Münsing nicht an diese Absprache gehalten. Die Schulleitung gab als Begründung an, dass es nicht möglich sei uns die Lehrerhandbücher auszuhändigen, da unser Sohn dann bevorzugt werden könnte. In der Tat werden dann immer alle Kinder von Grundschullehrerinnen seit Jahren bevorzugt.

 

 

Der Abschulungsversuch durch die Schulleitung
Anfang Oktober 2018

Zwei Wochen später erhalten wir eine schriftliche Mitteilung von der Grundschule Münsing. Dort wird uns mitgeteilt, dass sie unseren Sohn nicht weiter beschulen können und wir eine andere Einrichtung für ihn suchen sollen.
Nach nur ca. zwei Schulwochen im neuen Schuljahr hat die Schulleitung versucht unseren behinderten Sohn auf eine Einrichtung abzuschulen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch nicht einmal einen Nachteilsausgleich vom MSD-Fachdienst für Körperbehinderung und im individuellen Förderplan wurden keine Ziele vereinbart, wie er die verpassten Unterrichtsinhalte wird nachholen können. Doch davon wußten wir jahrelang nichts, da uns der individuelle Förderplan von der Schulleitung nicht ausgehändigt wurde und wir dies erst mit Hilfe unserer Anwältin einfordern konnten. Für den Nachteilsausgleich hat die Grundschule auch über ein Jahr lang benötigt, da die Schulleitung uns diesen zuerst verweigert hatte mit der Begründung, unser Sohn hätte gar keine Körperbehinderung und das das klinische Gutachten (das zu dem Zeitpunkt damals ca. 1 1/2 Jahre alt war) außerdem zu alt sei und wir der Grundschule zuerst ein neues klinisches Gutachten vorlegen müssten.

 

 

Die falsche Kindeswohlgefährdungs-Meldung unserer Tochter
Nur kurze Zeit später erreichte uns durch das Jugendamt Starnberg eine Kindeswohlgefährdungsanzeige für unsere Tochter, die, wie sich später im Gespräch herausstellte,
von der Schulleitung Münsing angezeigt wurde. Da zuvor kein Gespräch stattgefunden hatte, wussten wir nichts über die Vorwürfe. Eine Akteneinsicht wird uns bis heute verwehrt. Da wir in unserer Selbsthilfegruppe bereits zahlreiche ähnliche Fälle dieser Art hatten, starteten wir bereits im
Oktober 2018 eine weitere Petition:


Menschenrecht auf hochwertige, inklusive Bildung für alle Lernenden

 

https://www.change.org/p/michael-piazolo-petition-menschenrecht-auf-hochwertige-inklusive-bildung-f%C3%BCr-alle-lernenden


Wir wussten daher sofort, dass es bei diesem Akt eigentlich um den Abschulungsversuch unseres behinderten Sohnes/Familie ging und nicht um eine Kindeswohlgefährdung, da bei unserer Tochter keine Kindeswohlgefährdung durch uns Eltern vorliegt. Natürlich haben wir sofort unsere Anwälte um Unterstützung gebeten.

 

 

Maßnahmen durch das Jugendamt Starnberg
Natürlich waren wir sofort bereit mit dem Jugendamt Starnberg zusammenzuarbeiten um dieses Unrecht auch für andere betroffene Familien mit behinderten Kindern aufzuklären. Bereits im Vorfeld hatten wir einen Termin beim Gesundheitsamt Starnberg vereinbart und einen klinisch anerkannten
IQ-Test unserer Tochter veranlasst. Da uns die Gefährdungsmeldung der Schule nicht schriftlich ausgehändigt wurde, verlangte unsere Anwältin Akteneinsicht. Diese wird uns nun seit über 3 Monaten vom Jugendamt Starnberg verweigert, mit der Begründung „ es gäbe gar kein „Verwaltungsverfahren“. Trotzdem zeigten wir uns kooperativ und nahmen an einem Gesprächstermin beim Jugendamt Starnberg zusammen mit der Schulleitung der Grundschule Münsing und unserer Anwältin teil.

 

 

Der Gesprächstermin beim Jugendamt Starnberg
Wir wurden aufgefordert eine Schweigepflichtentbindung zu unterzeichnen, damit sich das Jugendamt mit der Kinderärztin und dem Amtsarzt austauschen konnte. Wir stimmten einem Hospitationstermin
an der Grundschule Münsing zu und auch einen Hausbesuch bei uns daheim, obwohl in diesem sehr ausführlichen Gespräch die niederschwelligen Vorwürfe bereits grob entkräftet werden konnten. Nachdem die Termine "abgearbeitet wurden" und keine Gefährdung unserer Tochter festgestellt werden konnte, forderte unsere Anwältin erneut Akteneinsicht beim Jugendamt Starnberg ein. Diese wurde uns wieder verweigert und wir erhalten bisher keinerlei schriftliche Informationen vom Jugendamt Starnberg. Stattdessen wurden wir nun vom Jugendamt mit erneuter Anwaltsumgehung aufgefordert, zu einem weiteren Gespräch zu erscheinen. Da eindeutig keine Kindeswohlgefährdung unserer Tochter vorliegt, sonst hätte das Jugendamt Starnberg auch unsere Schweigepflichtentbindung nicht benötigt, geht es hier in Wirklichkeit darum, Druck auf uns Eltern auszuüben, um die Grundschule Münsing nun
endlich freiwillig zu verlassen.

 

 

Wir sind nicht erwünscht
Es gibt in Deutschland nicht nur eine Ausgrenzung von Minderheiten die bei uns Zuflucht suchen, sondern auch eine gegen Familien mit behinderten Kindern. Doch diese ist oft noch viel subtiler
und sehr diskriminierend. Wir sind an der Grundschule Münsing nicht erwünscht. Das wurde uns
von der Elternschaft nun mehrfach zum Ausdruck gebracht, aber das ist für uns nichts Neues.
An der 1. Grundschule haben Eltern sogar die Straßenseite gewechselt und sie haben uns gesagt, wenn die Grundschule eine Inklusionsklasse einrichtet (Inklusionsklasse wird von zwei Lehrern unterrichtet mit wenigeren Schülern) würden sie ihre Kinder von der Schule abmelden.

In Münsing hat uns sogar die Klassenelternsprecherin zum Schulbeginn im September gefragt, sinngemäß:


"Ob denn die Grundschule Münsing überhaupt die richtige Schule für unseren Sohn sei, weil er doch so krank sei, da sei er doch auf eine Förderschule besser aufgehoben."

Ich antwortete darauf:

"Das unser Sohn nicht KRANK sei, sondern BEHINDERT und das eine Behinderung keine Krankheit sei und die Grundschule Münsing doch das Schulprofil Inklusion habe und eine sogenannte Inklusionsschule sei und wenn nicht diese Schule die Richtige für unseren Sohn sei, dann sei es keine Schule, da eine Förderschule für uns nicht in Frage kommt, weil wir eine inklusive Bildungsform wünschen."



Bisher gibt es an der Inklusionsgrundschule noch kein pädagogisches Inklusionskonzept und keine einzige Inklusionsklasse mit durchgängiger Doppelbesetzung der Lehrkraft
Bisher wird an der Grundschule Münsing Integration versucht. Das ist jedoch etwas ganz anderes. 
In Münsing erhalten diese Kinder entweder einen Notenschutz wenn es schwierig wird, da durch die fehlende Benotung kein Druck erzeugt wird, da das Kind dann keinen Lehrplan mehr folgen muß und die Behinderten dann so mitlaufen und nur noch bis zum Ende der Grundschulzeit eine Regelschule besuchen können und dann automatisch auf eine Förderschule wechseln oder sie wechseln direkt auf eine andere Schule/Einrichtung. 

 

Was ist eine Inklusionsklasse?


Die Grundschule Münsing gibt zwar auf ihrer Internetseite an, sie hätte bereits 8 Inklusionsklassen, aber das ist nicht richtig. In einer richtigen Inklusionsklasse ist zusätzlich zur Klassenlehrerin eine Sonderpädagogin während des gesamten Unterrichtszeit dabei, aber das gibt es in Münsing bisher noch nicht. In Münsing ist zwar eine Sonderpädagogin an drei Vormittagen an der Schule für über 
20 Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf eingeteilt, aber
das reicht natürlich nicht aus.


Bayerisches Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen

(BayEUG) Art. 30b Inklusive Schule

(5)  Für Schülerinnen und Schüler mit sehr hohem sonderpädagogischen Förderbedarf können in Schulen mit
dem Schulprofil „Inklusion“ Klassen gebildet werden, in denen sie im gemeinsamen Unterricht durch eine Lehrkraft der allgemeinen Schule und eine Lehrkraft für Sonderpädagogik unterrichtet werden. 2Die Lehrkraft für Sonderpädagogik kann durch sonstiges Personal unterstützt bzw. teilweise nach Maßgabe der Art. 60 Abs. 2 Sätze 1 und 2 ersetzt werden. 3Diese Klassen bedürfen der Zustimmung des Schulaufwandsträgers und der Regierung.

 

 

Wir wünschen Inklusion an einer Inklusionsgrundschule mit einem Nachteilsausgleich vom MSD-Fachdienst für Körperbehinderung und einen individuellen Förderplan wo genau festgelegt wird, welche Ziele wie und wann erreicht werden sollen. Obwohl ein Nachteilsausgleich und ein individueller Förderplan auch noch keine richtige Inklusion sind und dies von der UN-BRK nur als Übergangsvariante zugelassen wird, bis die Länder entsprechende Konzepte an den Schulen erarbeitet und erfolgreich etabliert haben, ist es besser als eine Aussonderung.

 

 

 

Klage vor dem Verwaltungsgericht München und Datenschutzbeschwerde
Wir haben nun erneut eine Klage auf dem Weg gebracht und eine Datenschutzbeschwerde, um
dieses Unrecht hier in Bayern beenden zu können.

 

 

Abmeldung der Kinder von der Grundschule Münsing, 19. März 2019
Wir haben heute unsere Kinder von der Grundschule Münsing abgemeldet.
Inklusion kann man nicht einfordern, auch nicht an einer Inklusionsschule. Unsere Kinder waren dort nicht erwünscht. Unsere Kinder haben unter diesen schwierigen Bedingungen an dieser Schule keine Möglichkeit gehabt sich zu entfalten. Obwohl unsere Tochter nun dort seit 7 Monaten zur Schule geht, konnte sie keine festen Freundschaften aufbauen, weil der Anfahrtsweg einfach zu weit ist und wir
nicht dazu gehören, weil wir aus Starnberg kommen.

Am letzten Schultag hat unser Sohn noch einen Fragebogen von seiner Klassenlehrerin bekommen.
Die Kinder der 4. Klasse sollen dort selbst beurteilen ob sie gerne auf eine Mittelschule, Realschule oder auf ein Gymnasium gehen möchten.

Unser Sohn hat sich für das Gymnasium entschieden und die Fragen wie folgt beantwortet:

 

 

Ich möchte auf diese Schule gehen, weil:
„Ich dazu intellektuell in der Lage bin. Ich bin interessiert viel zu wissen und zu erfahren.“

 

Das sind meine Stärken:
„Ich lese und spreche gerne, auch vor einer Gruppe, kann mir Dinge gut merken,
mich längere Zeit selbst beschäftigen, ich kann andere Kinder gut verstehen und
mir Dinge selbst beibringen.“

 

Und das sind meine Schwächen:
„Ausdauer und Belastbarkeit könnten besser sein, wenn ich ganz gesund wäre.“

 

Ich muss vor allem daran arbeiten, dass ich:
“Mich gesundheitlich stabilisiere. Dann kann ich alles erreichen.“

 

Wenn ich an den Übertritt denke, fühle ich mich:
„Befreit, weil ich mich jetzt nicht verstanden und angenommen fühle.“

 

Am meisten freue ich mich auf:
“Eine Lernumgebung, in der sich meine Begabungen gut entfalten können.“

 

Ich habe Angst vor:
“Ausgrenzung aufgrund meiner Behinderung und mangelnde Bereitschaft darauf einzugehen.“

 

Wenn ich dürfte, wie ich wollte, dann würde ich:
“Mir die Zeit nehmen, die ich brauche, um meinen Weg gehen zu können.“

 

Das wünsche ich mir für das kommende Schuljahr:
“Vor allem Gesundheit, denn meine schlechte Gesundheit hindert mich daran,
mein Potenzial voll zu entfalten. Ich habe mehr Potenzial, als mir manche Menschen zutrauen. Aber ich bin keineswegs ein Dummkopf. Im Gegenteil.“

 

 

 

 

Das Original der Schule darf ich hier natürlich nicht einstellen.

 

 

 

 

 

 *** neue Informationen folgen in Kürze ***

 

 

 

Wir werden uns weiterhin für eine inklusive Beschulung unseres Sohnes einsetzen, denn dies ist die beste Bildungsform für ALLE Kinder. Wir fordern unser Menschenrecht auf Inklusion und Teilhabe innerhalb der Gesellschaft. Es ist Diskriminierend und Rufschädigend wie wir als Familie mit einem behinderten Kind von der Elterngemeinschaft und der Schule behandelt werden, nur weil wir Inklusion an einer Inklusionsgrundschule einfordern, so wie es im bayerischen Schulgesetz geschrieben steht:

 

http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayEUG-30b?hl=true


 

 

Bitte teilen Sie gerne unseren Erfahrungsbericht, da wir wissen, dass wir kein Einzelfall sind.

Susann Dohm, Leiterin der Inklusionsbewegung Starnberg


http://www.inklusionsbewegung-starnberg.de/


Inklusionsbotschafterin, Rechtsbeistand für inklusive Schulangelegenheiten und
zukünftige Verbandspräsidentin 
https://www.deutscher-verband-inklusiver-schulentwicklung.de/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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