Prüfung der Schulfähigkeit trotz Inklusion?

 

 

 

 

Anbei eine Bachelorarbeit aus dem Jahre Juni 2009
 
Das Fazit sagt bereits im Jahr 2009, das die SEU, Schuleingangsuntersuchung durch das Gesundheitsamt
in der Form heute nicht mehr ethisch und auch nicht mehr wirtschaftlich gerechtfertigt werden kann.
 

 

 

 

 

 

Aus meiner täglichen Beratung mit betroffenen Eltern kann ich von einer Selektierung bereits im frühen Bereich mit allen Mitteln berichten. Gerade die Schuleingangsuntersuchung dient als ein geeignetes Instrument und ist so nicht mehr zeitgemäß, wie ich Ihnen gleich genauer erklären möchte. Durch eine Gesundheitsamtsnähe zum Schulamt ist diese Form der frühen Selektion stark gegeben. 

 

In Zeiten der Inklusion ist diese Schuleingangsuntersuchung ethisch ohnehin nicht mehr vertretbar. Derzeit wird in den Schuleingangsuntersuchungen im Hinblick einer wohnortsnahen und inklusiven Beschulung keine Befragung vorgenommen. Dafür müßten ausgebildete Sonderpädagogen bei der Gesundheitsprüfung mit dabei sein, da die ausgebildeten Ärzte zwar Defizite behinderter Kinder erkennen können, aber nicht mögliche frühzeitige Empfehlungen über eine inklusive Beschulung am Wohnort geben können, da die Grundschulen in Starberg bisher nur "Integration" leben, aber keine Inklusion. Dies ist zwischenzeitlich auch vielen Politikern in Starnberg zu Ohren gekommen und wir Eltern möchten dabei helfen, diese Situation für behinderte Kinder in Starnberg verbessern.
 
Derzeit gibt es in Starnberg keine einzige Grundschule die das Profil Inklusion erfolgreich entwickeln konnte.
D
ie Grundschule Tutzing nimmt bisher keine behinderten Kinder außerhalb des Schulsprengels auf.
 
 
Gibt es bei der Schuleingangsuntersuchung Vorschläge über mögliche Grundschulen die das Profil Inklusion bereits entwickelt haben?
 
Wenn ja, wie viele Sonderpädagogen sind bereits an diesen Schulen fest angestellt?
 
Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Trägern der Schulbegleitungen und dem Jugendamt aus? Gibt es eine Mitarbeiter im Jugendamt für den Bereich Entwicklung von schulischer Inklusion?
 
Wird den Eltern von behinderten Kindern bereits zur Schuleingangsuntersuchung ein Flyer über inklusiven Unterricht überreicht, was die nächsten Schritte sind um einen reibungslosen und erfolgreichen Übergang vom Kindergarten zur Regelschule sicherzustellen, wie frühzeitge Vorstellung im SPZ, frühzeitige Stellungnahme durch eine Sonderpädagogin der Sprengelregelschule, diese wird benötigt damit bereits frühzeitig eine Schulbegleitung für das behinderte Kind gefunden werden kann? 
 
Finanzierung und zeitliche Faktoren? Eine Beantragung einer Schulbegleitung vom klinischen Gutachten bis eine Schulbegleitung vom Jugendamt genehmigt und gefunden wurde, dauert derzeit in der Regel zwischen
6 und 12 Monaten.
 
Werden die Eltern von behinderten Kindern über das gesetzliche Recht einer wohnortnahen, inklusiven Beschulungsmöglichkeit unterrichtet?
 
Wie sieht die Umsetzung von Nachteilsausgleichen und Förderplänen aus? 
 
Wie wird eine Beantragung von Gastschulanträgen für Grundschulen mit dem Profil Inklusion außerhalb des Schulsprengels und des Landkreises vorgenommen?
 
Wie funktioniert eine Schulzuweisung vom Schulamt?
 
Wie die Kostenübernahme des Transportes zu einer weiter entfernten Profilschule?
 
Wie die Kostenübernahme der Mittagsbetreuung für behinderte Kinder?
 
Wie die Gastschulanträge für Geschwisterkinder von behinderten Kindern? 
 
Welche inklusiven Freizeitaktivitäten wie z.B. Sport gibt es in Starnberg?
 
Welche inklusiven Schulkonzepte wurden von den einzelnen Grundschulen im Landkreis Starnberg bisher
(seit 2009 UN Behindertenrechtskonvention) bereits erarbeitet und vorgestellt?
 
Welche Entwicklung wurden vom Inklusionsbereirat Starnberg im schulischen Bereich bereits entwickelt?
 
Welche Maßnahmen wurden von der "Inklusionsberatungsstelle vom Schulamt Starnberg" zum Aufbau von Inklusion an den Regelschulen bisher vorgenommen? Diese Beratungsstellen stellen derzeit einen Interessenskonflikt dar.
 
Welche "unabhängige" Beratung können Eltern von behinderten Kindern im Landkreis Starnberg derzeit nutzen?
 
 
Wann wird eine Novellierung der bayerischen Schulgesetze zur Entwicklung einer inklusiven Schulumgebung vorgenommen um auch diese selektiven Instrumente neu zu strukturieren, da die Schuleingangsuntersuchung für die Schulfähigkeit in der Form nicht mehr notwendig ist, könnte diese Stelle in Zukunft für den Aufbau und Vorbeitung inklusiver Schulumgebungen genutzt werden. Also keine Abschiebung auf eine Förderschule, sondern um die Rahmenbedingungen rechtzeitig an den Schulen aufzubauen und zu verbessern und um Lehrer z.B. zu unterstützen und im sonderpädagogischen Bereich auszubilden.
 
 
 
"Bachelorarbeit zur Erlangung des akademischen Grades Bachelor of Arts (B.A.) 
 
Schulfähigkeit und Schuleingangsuntersuchung in der Diskussion 
 
 
Name: Anna Stefan 
URN: urn:nbn:de:gbv:519-thesis2009-0108-1
Erstprüfer: Prof. Dr. Marion Musiol 
Zweitprüfer: Dipl.- Soz.- Päd. Dagmar Grundmann Datum: 30.06.2009 
 
 
 
 
 
Fazit:
 Am Ende dieser Arbeit steht, auch wenn ein Großteil der Interviewten mit der SEU zufrieden ist, ganz klar die Erkenntnis, dass sie mit dem Wissen aus den positiven Praxisbeispielen und der Forschung heute nicht mehr haltbar ist. Die Etikettierung am Schulanfang verletzt die Würde des Kindes und führt nicht selten dazu, dass ein Teil seiner Lernfreude, Leistungszuversicht und des Lebensmutes verloren geht. Es sollte in Deutschland, ebenso wie es in Finnland der Fall ist, das Motto gelten: „Kein Kind wird zurückgelassen!“ (Kaczmarek 2007, S. 37 (Internetquelle)). Die skandinavischen Pädagogen verstehen nicht, dass in Deutschland jedes Jahr so früh und so häufig Kinder „aussortiert“ werden. Die PISA Studie 2000 zeigt, dass 36% der 15 Jährigen eine um ein oder sogar zwei Jahre verzögerte Schullaufbahn haben (vgl. Artelt u. a. 2001, S.47). 
 
Dies ist nicht nur ethisch, sondern bei der demografischen Entwicklung Deutschlands auch wirtschaftlich nicht mehr zu rechtfertigen. 
 
Immer häufiger wird auch die Forderung aus Wirtschaft und Politik laut, Mädchen und Jungen frühere und bessere Bildung zukommen zu lassen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und internationale Konkurrenzfähigkeit zu wahren. Außerdem legen Untersuchungen nahe, „dass eine Zurückstellung und spätere Einschulung generell nicht zu erfolgreicheren Schulleistungen führt – wohl aber zu älteren Schülern.“ (Rossbach 2001, S. 171). Auch dies entzieht der Selektion am Schulanfang jegliche Rechtfertigungsgrundlage. 
In dieser Arbeit kommt aber ebenfalls zum Ausdruck, dass eine Abschaffung der SEU ohne weitere Veränderungen der Schuleingangsphase nur zu höheren Sitzenbleiberquoten und wahrscheinlich auch zu überforderten Lehrerinnen, sowie Schülerinnen und Schülern führen würde. Die Gesellschaft hat sich gewandelt, aber das deutsches Schulsystem ist noch auf dem Stand von vor 25 Jahren (vgl. Hahne 2005, S. 21). "
 
 

 

 

 

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